Peter Slowinski - Blog

Peter Slowinski

Blog



Mediation

Training

Systemdesign


StartUps

Die neue Generation

Was macht ein Start-up aus? Die Mehrheit der Menschen glaubt, dass es sich um Unternehmen von jungen Menschen handelt, die etwas mit dem Internet machen und die viel Geld verdienen können? All das ist irgendwie richtig und all das ist auch falsch. Ich beschäftige mich als Rechtsanwalt und Wissenschaftler sehr viel mit Innovation und Start-ups. Und ich kenne StartUp-Gründer jenseits der 50 Jahre. Ich kenne besonders viele StartUps, die sich mit Biotechnologie und Medizin beschäftigen und ich weiß, dass rund 90 Prozent der StartUps scheitern und nicht Millionäre werden. Es gibt ein interessantes Buch mit dem Titel „The Accidental Billionaires“ – Zufällige Milliardäre von Ben Mezrich. Das Buch war unter anderem die Grundlage für den Film „The Social Network“ über den Aufstieg von Facebook. Auch wenn „Zufall“ nicht der richtige Begriff ist, es gibt sonst wenig, was Start-ups verbindet.


Aus der Sicht von jemandem, der sich mit Kommunikation und Konfliktlösung beschäftigt, gibt es aber eine Sache, die fast alle Start-ups verbindet: ein Kommunikationsdefizit. Ja StartUps sind oft „responsive“ und beantworten E-Mails schnell. Start-ups sind auch gut darin, untereinander freundschaftlich zu kommunizieren und Entscheidungen schnell und unkompliziert voranzutreiben. Aber das gilt vor allem, in guten Zeiten und in Fällen, die eindeutig gelagert sind. Und vor allem auch innerhalb der StartUp-Welt. Drei Beispiele:


Als Rechtsanwalt war ich bei einer Beurkundung vor einem Notar anwesend. Ich vertrat einen Investor, der sich zurückziehen wollte und für den der gesamte Vorgang eher von untergeordneter Bedeutung war. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich mich zurücklehnen und das Geschehen in Ruhe beobachten konnte. Es wurde sehr schnell klar, dass die neuen Investoren sicherstellen wollten, dass die Gründer des Start-ups nach dem Ausstieg kein neues Konkurrenzunternehmen aufmachten und die Gründer selbst wollten auf ihrem weiteren Lebens- und Berufsweg möglichst frei sein. So weit, so typisch aber kein unüberwindbares Problem. Doch in der Kommunikation eskalierte die Situation. Es wurde viel ausgetauscht, aber einen Punkt fand ich besonders interessant: Der Gründer des Start-ups meinte zum Anwalt des neuen Investors: „Ich verstehe Dein Problem nicht. Ich werde aus dem Unternehmen raus sein und nicht mehr in die Quere kommen. Ich möchte nur für die Zukunft frei sein. Das musst Du doch verstehen können.“ Sehen Sie das Problem? Nicht das ursprüngliche, sondern das neue Problem, dass dazu beigetragen hat, die Situation zu eskalieren. Der Gründer war einen informellen Kommunikationsstil gewohnt. Das „Du“ gilt in seiner Welt von Chef bis zum Azubi. So wie in der alten Werbung für die A-Klasse von Mercedes, in der der Chef die Pizza holt: Hierarchien verschwimmen und Formalitäten sind unwichtig.


Das zweite Beispiel: Der Gründer und frühere Geschäftsführer (CEO) von Uber, dem Taxi-Konkurrenten, rastete inkognito gegenüber einem kritischen Mitarbeiter aus, der ihn befördern sollte. Er war sich nicht bewusst, dass er gefilmt wurde. Er was sich aber vor allem nicht bewusst, wie er kommunizieren sollte. Es spielt keine Rolle, ob Sie gerade gefilmt werden oder nicht – Sie sollten wissen, wie sie kommunizieren. Erfahrene Manager wissen das in der Regel. Sie haben es, wie man so schön sagt, „von der Pike an gelernt“. Sie haben es sich abgeschaut als sie Vorstandsassistenten waren und mit der Zeit ist es in ihre betriebliche „DNS“ übergegangen. Das heißt nicht, dass sie immer richtig kommunizieren können. Aber die Erfahrung sichert sie ab.


Letztes Beispiel: Ein Freund von mir hatte ein Start-up gegründet. Es ging um neue Formen der Online- Kommunikation. Doch mit der non-verbalen offline-Kommunikation klappte es bei ihm nicht ganz. Er lud seine Mitarbeiter regelmäßig zu sich nach Hause ein, um (Zwischen-)Erfolge zu feiern. Mitarbeitergespräche fanden regelmäßig auf seiner Dachterrasse bei Bier und Wein statt. Das Unternehmen florierte und die Stimmung war super. Doch als die Umsätze nach unten gingen und ein Investor nicht auf Anhieb gefunden werden konnte, mussten mehrere Mitarbeiter entlassen werden. Sie verstanden es nicht. Sie waren von einer freundschaftlichen Beziehung ausgegangen und nahmen die Kündigung sehr persönlich. Einige Mitarbeitet – männlich wie weiblich – drohten sogar mir Konsequenzen wegen sexueller Belästigung. Die Situation eskalierte.

Was haben die drei Situationen gemeinsam? Mangelnde Erfahrung in Kommunikation. Selbstverständlich kann man von einem 22jährigen Gründer nicht die Erfahrung eines 40jährigen Managers erwarten. Und der 40jährige Manager wird vermutlich auch selten den Elan und die Initiative des 22jährigen mitbringen, die unsere Wirtschaft (auch) vorwärts bringt. Aber hier kann man gegensteuern. Wir können (jungen) Gründern die Fähigkeiten mitgeben, um mit den oben gezeigten Situationen klarzukommen. Sie werden es vielleicht nicht ohne weiteres selbst als notwendig ansehen. Aber VCs, Inkubatoren und Angel Investors können den Start-ups die nötige Kompetenz vermitteln.